Mittwoch, April 25, 2007

Die Macht der Pharmareferenten

Das Deutsche Ärzteblatt weist in einer aktuellen Meldung auf eine in der PLoS Medicine veröffentlichte Studie hin, in der untersucht wurde, wie die Besuche von Pharmareferenten das ärztliche Verordnungsverhalten beinflussen. Die Ergebnisse sind ernüchternd:

"Nach den Referentenbesuchen äußerten 36 Prozent der Ärzte die Absicht, dass sie das Medikament in Zukunft häufiger verschreiben werden. Stimulierend hat sich nach Ansicht von Erstautor Michael Steinman von der Veteranenklinik in San Francisco ausgewirkt, dass die Pharmareferenten bei 39 Prozent der Besuche Medikamentenmuster an die Ärzte abgaben. In 38 Prozent der Besuche hatten die Pharmareferenten wenigstens einen Off-label-Einsatz zum Hauptthema des Besuchs gemacht, was nach US-Recht verboten ist, selbst wenn die Initiative vom Arzt ausgegangen sein sollte. " (DÄB)
In der DÄB-Meldung wird auch auf einen ebenso unterhaltsamen wie frustrierenden Artikel einer ehemaligen Pharmarefentin hingewiesen, die darin die Techniken der Pharmareferenten beschreibt, einen positiven Eindruck zu hinterlassen: Der Aufsatz trägt den wunderbaren Titel "Following the Script: How Drug Reps Make Friends and Influence Doctors". Über dem Artikel steht der Satz der Pharmavertreterin:
"It’s my job to figure out what a physician’s price is. For some it’s dinner at the finest restaurants, for others it’s enough convincing data to let them prescribe confidently and for others it’s my attention and friendship ... but at the most basic level, everything is for sale and everything is an exchange."
Die zwingende Schlussfolgerung ist: Initiativen wie MEZIS sind wichtig!

Sonntag, April 22, 2007

40 Frauen prügeln sich wegen eines Mannes

Den Mann würde ich gerne kennenlernen, um herauszufinden, ob es sich gelohnt hat.

Freitag, April 13, 2007

confidential/privileged

Was für eine Rechtsverbindlichkeit haben eigentlich Hinweise wie folgender, die ich in steigender Häufigkeit unter Mails von Unternehmen etc. finde (meist auch noch zusätzlich in englischer Sprache, um den globalen Anspruch der Firma zu unterstreichen):

Rechtlicher Hinweis:
Diese E-Mail samt Anhängen könnte vertrauliche/rechtlich geschützte Informationen enthalten. Wenn Sie nicht der richtige Empfänger sind, informieren Sie bitte sofort den Absender und löschen diese E-Mail samt Anhängen. Das unerlaubte Kopieren oder Weitergeben dieser E-Mail ist nicht gestattet.

Dienstag, März 27, 2007

Drogen-Rangliste

Nochmal Spiegel Online mit einem Verweis auf eine in der aktuellen Lancet veröffentlichten Arbeit (ggf nur nach kostenfreier Registrierung zugänglich), in der eine Forschergruppe um David Nutt von der Universität Bristol eine Rangliste der Gefährlichkeit von Drogen erstellt haben. Es wurden drei Kriterien für die Gefährlichkeit einer Substanz herangezogen: Welcher körperliche Schaden wird verursacht, wie stark ist das Abhängigkeitspotenzial und wie wirkt sich ihr Konsum auf die Gesellschaft aus.

So wird in der Arbeit deutlich, dass sich die Gefährdung durch Suchtmittel praktisch nicht in der einschlägigen Gesetzgebung niederschlägt: Alkohol und Tabak würden sträflich vernachlässigt.

Nutt kommt zu einem provozierend deutlichen Ergebnis (SpOn):

"Das momentane Drogen-System ist durchweg krank und willkürlich", sagte Nutt der Nachrichtenagentur AP. Es gebe aus wissenschaftlicher Sicht keinen Grund dafür, dass Alkohol und Tabak nicht unter das Drogengesetz fallen sollten. Er und seine Kollegen rufen zum Umdenken auf. "Alle Drogen sind gefährlich", sagte Nutt. "Auch solche, die Leute kennen, lieben und jeden Tag zu sich nehmen".

Flatrate-Saufen

Spiegel Online meldet, dass am frühen Sonntagmorgen in Berlin ein 15jähriges Mädchen mit einem Alkoholspiegel von 4,1 ‰ ins Krankenhaus eingeliefert wurde.

In den vergangenen Wochen war wiederholt über Maßnahmen gegen sogenannte Flatrate-Partys und den wachsenden Alkoholmissbrauch bei Kindern und Jugendlichen diskutiert worden. Auslöser waren zwei schockierende Berliner Fälle: Ein 16-jähriger Junge fiel nach angeblich rund 50 Gläsern Tequila ins Koma, ein 14-jähriges Mädchen sprang stark betrunken aus dem 4. Stock eines Hauses und wurde lebensgefährlich verletzt.
Neue Perspektiven, die auch den psychiatrischen Gutachter beschäftigen werden, wenn derart intoxikierte Kinder und Jugendliche straffällig werden.
Das Wort "Flatrate-Party" hat gute Chancen auf einen Platz in der Unwort-Liste ...

Sonntag, März 25, 2007

Was hinten raus kommt ...

Ein weiterer verzichtbarer Anglizismus ist „Outcome“ (das ich gerne mit dem berechtigten Anglizismus „Coming-Out“ verwechsele) - sagt das Wort Ergebnis nicht haargenau das Gleiche aus?

Freitag, März 23, 2007

Streichresultat

Auf meinen Rechnungen befindet sich eine Zeile "Schreibarbeit gemäß JVEG", was bedeutet, dass dort je angefangene 1000 Anschläge 75 Cent in Rechnung gestellt werden. Diesbezüglich gab es noch nie Beanstandungen. Jetzt kommt schon zum zweiten Mal eine Rechnung an ein benachbartes Landgericht mit einer für mich nicht nachvollziehbaren Kürzung im einstelligen Euro-Bereich bei den Schreibgebühren zurück. Das Telefonat mit dem zuständigen Amtsinspektor (der am Telefon genau so klingt, wie man sich einen Amtsinspektor vorstellt ...) ergibt, dass er einfach mal 1000 Anschläge pro Seite zugrundelegt und deshalb einfach die Seitenanzahl mit 0,75 € multipliziert. Ich bin etwas fassungslos. Kann man nicht einfach einem gerichtlichen Sachverständigen unterstellen, dass er in der Lage ist (mittels der Statisitkfunktion seiner Textverarbeitung) die korrekte Anschlagszahl zu ermitteln? Angesichts von soviel Chuzpe werde ich dann jetzt doch die (insgesamt lächerlichen) 15 € nachfordern und in Zukunft auf jeder Rechnung die exakte Anschlagszahl vermerken. Bürokratie ist was Schönes.

Donnerstag, März 22, 2007

Zeitdiebstahl

Wenn ich bei einem Workshop (Anglizismusalarm!) einen hauptberuflichen Berater als Referenten habe, erwarte ich eigentlich, dass der auch in der Lage ist, einen didaktisch und rhetorisch halbwegs akzeptablen Vortrag abzuliefern. Wenn das nicht der Fall ist, habe ich das Gefühl, dass mir meine Zeit geklaut wird.


[Wenn dann auf den Präsentationsfolien noch „Deppenapostrophe“ zu finden sind, hat der Vortragende endgültig verloren ... Und wenn ein weiterer Referent das Thema mit weitaus größerem Praxisbezug aus etwas anderer Warte in gut der Hälfte der Zeit besser darstellt, frage ich mich, welche Berechtigung der erste Vortrag überhaupt hatte ...]

Donnerstag, März 08, 2007

Ärztliche Aufklärung

In der aktuellen Ausgabe des Deutschen Ärzteblatts findet sich ein gut lesbarer und klar strukturierter Artikel zum Thema "Aufklärung und Einwilligung bei ärztlichen Eingriffen", der die gesetzlichen Grundlagen und die aktuelle Rechtsprechung ausführlich darstellt. Unbedingter Lesetipp.

Sonntag, März 04, 2007

Anglizismen, die niemand braucht

Nein, ich bin kein Verfechter der Haltung, dass man keine englischen Begriffe verwenden sollte; manche Vokabeln sind einfach griffiger. Was mich aber ärgert, sind Anglizismen, die unnötig sind und hauptsächlich deshalb verwendet werden, um Weltläufigkeit oder Kompetenz zu mimen.

Fast könnte man hier eine kleine Reihe „Anglizismus der Woche“ eröffnen.

Das heutige Negativbeispiel ist „Wording“ - was kann dieser Begriff, was das deutsche Wort „Benennung“ nicht leistet?